Presseerklärung zum Projekt Sportpark Eichelsee vom 1.2.2012 PDF Drucken E-Mail

Gemeinschaftsaufgabe für Turnverein und Stadt

TV-Vorstandschaft nimmt Stellung zu viel gestellten Fragen zum Sportpark Eichelsee

 

Mit Optimismus sieht  der TV Haßfurt der Entscheidung des Haßfurter Stadtrats am 16. Februar zum Projekt Sportpark Eichelsee entgegen. Nach vierjähriger Vorarbeit sind die Planungen abgeschlossen, das Finanzierungskonzept steht. Der Turnverein steht geschlossen hinter dem Projekt, das so wichtig für den Verein, den Nachwuchs und den Breitensport in Haßfurt ist.

In Zusammenhang mit dem Projekt werden immer wieder Fragen an den Verein und seine Verantwortlichen heran getragen. Zu den wichtigsten nehmen die TV-Verantwortlichen hier Stellung.

 

 

Frage: Die endgültigen Kosten für den Sportpark liegen nun auf dem Tisch. Sechs Millionen Euro, ging das nicht billiger? Und können diese Kosten auch gehalten werden?

 

Antwort: Der Kostenansatz wurde durch einen seitens der Stadt Haßfurt eingeschalteten Projektsteuerer geprüft und unter Heranziehung von Vergleichswerten als angemessen bestätigt. Wir haben im Vergleich zum ursprünglichen Planungsstand sogar die weitest möglichen Abstriche gemacht, insbesondere am Baukörper und in der Ausstattung. Alles, was weiter ginge, würde bedeuten, dass das Konzept einer Dreifachhalle verworfen werden müsste. Der Projektsteuerer wird auch die Bauausführung begleiten.  

 

Gibt es überhaupt Bedarf für eine Dreifachturnhalle?

 

Ja, eindeutig. Der Bedarf wurde zunächst vereinsintern mit allen Abteilungsleitern und den Übungsleitern in vielen Sitzungen ermittelt. Der Schulzweckverband sieht keine Konkurrenzsituation mit der Dreifachschulsporthalle. Vor allem aber haben  der Bayerische Landessport-Verband (BLSV) und die Stadt Haßfurt den Bedarf bestätigt. Vielmehr würde der BLSV sogar die Förderwürdigkeit einer kleineren Halle in Frage stellen. Derzeit von uns nicht angebotene, populäre Ballsportarten wie Basketball oder Handball und auch ein Wettkampfbetrieb könnten in einer kleineren Halle nur eingeschränkt angeboten werden. Die wirtschaftlichen Vorteile eines umfangreicheren und uneingeschränkten Raum- und Sportangebots rechtfertigen den Bau einer Dreifachsporthalle. Die Finanzierungsproblematik wäre zudem, insbesondere aufgrund geringerer Zuschüsse, nicht grundlegend anders.  

 

Wird das Vereinswesen in unserer Gesellschaft nicht an Bedeutung verlieren? Und ist eine solche Baumaßnahme im Hinblick auf die Kosten nicht überbewertet?

 

Nein. Wir glauben, und das bestätigen uns auch viele Untersuchungen, dass das Vereinswesen  wieder an Bedeutung gewinnen wird. Die unteren Einkommensgruppen unserer Gesellschaft nehmen zu Lasten der Mitte nachweislich zu. Die integrative Wirkung von Vereinen wird vor diesem Hintergrund in Zukunft immer bedeutender. Allen Haßfurter Bürgern sollten organisierte Sportangebote und zeitgemäße Sportstätten zu erschwinglichen Preisen zugänglich sein. Das können, bedingt durch das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder, nur Vereine leisten.

 

Der Sportpark Eichelsee bedeutet für die Stadt Haßfurt ein beachtliches finanzielles Engagement. Wie ist das zu rechtfertigen? Wird die Bedeutung eines Sportvereins wie des Turnvereins da nicht überbewertet?

 

Nein. Wir sind durch unsere Größe und unser Angebot unverzichtbar für den Breitensport in Haßfurt. Grundsätzlich stellen Sportvereine nach wie vor den quantitativ bedeutsamsten Träger bürgerschaftlichen Engagements dar. In Bayern engagieren sich dort Mitglieder in mehr als

300 000 ehrenamtlichen Positionen. Bei einer Arbeitsleistung von rund  6,0 Millionen Stunden im Monat ergibt sich in Bayern eine monatliche Wertschöpfung von ca. 90 Millionen Euro. Auf den TV Haßfurt übertragen heißt dies, dass im abgelaufenen Jahr durch unsere Übungsleiter und Helfer, Abteilungsleiter, Vorstände und Ausschussmitglieder rund 15 000 Stunden geleistet wurden, wodurch eine Wertschöpfung für die Stadt Haßfurt und ihre Bürger von rund 200 000 Euro erzielt wurde. Diese Wertschöpfung wird sich mit dem Bau des Sportpark Eichelsee weiter erhöhen, im umgekehrten Fall verloren gehen. Das gilt natürlich auch für andere Vereine.

 

Warum lässt man nicht die Stadt die Halle bauen und mietet diese einfach an ?  

 

In einigen uns bekannt gewordenen Neubauten sind tatsächlich öffentliche Körperschaften Träger der Sportstätten, welche den Vereinen zur Nutzung überlassen werden. In jedem Fall ist das für den Verein und deren Verantwortliche die angenehmere, für die Kommune aber die weitaus teurere Lösung. Insbesondere, weil in diesem Fall eine Bezuschussung durch den BLSV nicht möglich ist.  

 

Warum muten sich ein Verein und insbesondere seine Verantwortlichen ein Projekt dieser Größe zu?

 

Wenn außer Frage steht, dass die Stadt Haßfurt einen zukunftsgerichteten Breitensportverein für seine Bürger benötigt, dann sehen wir das Projekt als eine Gemeinschaftsaufgabe von Verein und Stadt. Die notwendige Unterstützung und das Vertrauen wurden uns von der Stadt und Bürgermeister Eck von Anfang an signalisiert. Andernfalls wäre ein Projekt dieser Größe ehrenamtlich Tätigen tatsächlich nicht zumutbar. Wir sehen unsere Hauptaufgabe darin, zukünftig die Anlage mit Leben zu erfüllen und sowohl im sportlichen als auch im personellen Bereich für stete Attraktivität und Qualität zu sorgen.

Stimmt es, dass es der TV in den letzten Jahren nicht geschafft hat, Rücklagen zu bilden, sonst hätte man den Altbestand doch sanieren können? 

 

Ein klares Nein. Zunächst ist festzuhalten, dass nach baufachlicher und wirtschaftlicher Prüfung eine Sanierungswürdigkeit des Altbestandes nicht gegeben ist. Die Vermögenslage des Vereins hat sich in den letzten fünf Jahren um rund 260 000 Euro verbessert. Und das angesichts des desolaten Zustands der Sporthalle, was die Schaffung neuer Sportangebote und eine Mitgliedergewinnung nahezu unmöglich machte. Zudem belasten die Energiekosten zunehmend das Ergebnis. So musste der Verein im abgelaufenen Jahr allein für Strom und Gas rund 25 000 Euro verausgaben! Per 31.12.2011 verfügte der Verein über einen Geldmittelbestand von 220  000 Euro. Dabei ist zu berücksichtigen, dass aus den Rücklagen bereits rund 50 000 Euro für erforderliche und kalkulierte Planungsleistungen entnommen wurden. Durch weitere, bedingte Spendenzusagen könnten kurzfristig insgesamt über 300 000 Euro angesammelt werden. Die nur für aktive erwachsene Mitglieder einmalig greifende Investitionsrücklage wird den Rücklagentopf mit weiteren 50 000 Euro füllen. Das heißt: bereits 2012 können 75 bis 80 Prozent der kalkulierten Barmittel erreicht werden könnten. Der Verein hat hier sein Möglichstes getan.

 

Wie soll der Verein Darlehen in Höhe von rund 2 Millionen Euro bedienen können ? 

 

Das Finanzkonzept ist auf einen Planungszeitraum ab Bezug des Neubaus von zunächst acht Jahren aufgestellt. In der Spitze beträgt der Kapitaldienst rund 110 000 Euro. Dieser wird allerdings, bedingt durch die Vorfinanzierung der BLSV-Mittel durch die Stadt und einer anfänglichen  Tilgungsaussetzung des BLSV-Darlehens, erst nach fünf bis sechs Jahren erreicht werden. Aus dem Stand von heute wäre dieser Kapitaldienst selbstverständlich schwer leistbar. Bereits heute aber beläuft sich das Beitragsaufkommen des Vereins mit seinen derzeit 1300 Mitgliedern auf rund 100 000 Euro. Das wissen viele Menschen nicht. Aus Erfahrungsberichten anderer Vereinen, die gebaut haben, und des BLSV kann der TV mit einem prozentual mindestens zweistelligen Mitgliederzuwachs rechnen. Unserem Finanzkonzept ist für den Planungszeitraum eine bis zu 20-prozentige Erhöhung des Mitgliederbestandes zugrunde gelegt. Beim Erreichen dieser Zielvorgabe würde der Verein ein deutlich höheres Beitragsaufkommen erzielen und somit einen Deckungsbeitrag zu den weiteren Kosten. Im übrigen werden überwiegend aus Erfahrungswerten abgeleitete Einnahmen aus Zuschüssen und Spenden zum laufenden Sportbetrieb, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung , Überschüsse aus Veranstaltungen sowie Einnahmen aus Sponsoring und Werbung kalkuliert, welche die verbleibenden Kosten abzudecken haben. Der Verein für seinen Teil geht selbstverständlich an die Grenze seiner Belastbarkeit.  

 

Ist diese erwartete Mitgliederentwicklung vor dem Hintergrund des demographischen Wandels nicht zu optimistisch ?

 

Der Verein kratzte in der Vergangenheit schon einmal an der Mitgliederzahl von 2000 Personen. Absolut betrachtet bedeutet unsere Kalkulation, dass in acht Jahren der Mitgliederbestand um 260 insgesamt bzw. jährlich um 30  Personen wachsen müsste. Aus den neun bestehenden Abteilungen wären das jährlich durchschnittlich rund drei Mitglieder mehr. Vielleicht können wir ja auch einen Teil der ausgetretenen Mitglieder wieder zurückgewinnen. Erst ein Drittel aller Haßfurter Bürger ist in Sportvereinen Mitglied. Unser Sportkonzept wird Angebote schaffen für das Vorschulkind bis hin zur aktiven Seniorin und zum aktiven Senior. Als Breitensport- und Mehrgenerationen-Verein werden wir für dieses erforderliche Wachstum mit dem Sportpark alle Voraussetzungen schaffen.            

 

Wirkt der zurückgestellte Bau der Gaststätte diesen Erwartungen nicht entgegen?  

 

Der Bau der Gaststätte ist nach wie vor Bestandteil der Planungen und wird parallel weiter verfolgt. Wir brauchen sie unbestritten zur Umsetzung unseres Gesamtkonzeptes. Aber es kann sie nur in Partnerschaft mit einem möglichen Pächter geben, den wir noch nicht haben. Nach der Einreichung des Bauantrags soll im Rahmen einer Ausschreibung ein Pächter gefunden werden. Immerhin haben wir derzeit einen gut funktionierenden und ansprechenden Gaststättenbetrieb, der erst einmal weiter laufen kann.

 

Die Gründungskosten für die Halle sind mit 450 000 Euro sehr hoch. Hätte man da nicht doch besser ein Ausweichgrundstück genommen?  

 

Die zuletzt diskutierte Ausweichmöglichkeit auf der Nordseite des TV-Geländes wurde von uns und von der Stadt gründlich geprüft, aber sie ergäbe deutlich höhere Gesamtkosten. Es müsste deutlich mehr  Material als an der Südseite aufgefüllt werden und der Sterzelbach müsste verrohrt werden. Ein kompletter Umzug an einen anderen Standort - ins Spiel gebracht wurde das Gelände am Schulzentrum - ist nicht realistisch. Insbesondere sollte auch der verlorene Nutzungswert des Eichelseegeländes als drohende Brachlandschaft bei einer kompletten Verlegung der Sportstätte beachtet werden. Ungeachtet der Hochwassersituation hat das Eichelseegelände große Vorzüge Ein Blick auf unseren Masterplan lässt die uneingeschränkten Nutzungsmöglichkeiten aufgrund der Großzügigkeit des Geländes erkennen. Hier könnte wirklich der Grundstein für ein neues Sportzentrum im Stadtgebiet gelegt werden.      

 

Was gibt dem TV die Hoffnung, dass die Erwartungen Wirklichkeit werden ?

 

Wir setzten auf die Bereitschaft zu ehrenamtlichen Engagement und in die Begeisterungsfähigkeit unserer Mitglieder. Der Verein hat rund 600 Kinder und junge Erwachsene im Alter bis 26 Jahren und bis zu 60 engagierte Übungsleiter und Helfer. Das ist die Basis, um in der Zukunft weiteres ehrenamtliches Engagement zu generieren. Unsere Vorstandschaft arbeitet gut zusammen, ist jung und leistungsfähig. Und sie zeigt, wie auch die Übungsleiter mit einer überwiegend langjährigen Verbundenheit zum Verein, eine außergewöhnliche Einsatzbereitschaft. Wir glauben, das sind gute Voraussetzungen, um das Projekt Sportpark Eichelsee zum Erfolg zu führen.

 

 

 

Daten

Kernstück des geplanten Sportparks Eichelsee ist eine Dreifachturnhalle mit  Nebenräumen. Sie ist mit 5,3 Millionen Euro Baukosten veranschlagt. Dazu kommen Kosten für die Baugründung in Höhe von 450 000 Euro und 250 000 Euro für ein Rasenspielfeld mit Flutlichtanlage, da der bisherige Ausweichplatz zur Hälfte dem Standort der Halle weichen muss. Finanziert werden soll das Projekt durch einen Zuschuss der Stadt in Höhe von 30 Prozent der Gesamtkosten (1,9 Millionen Euro), durch den Zuschuss des BLSV in Höhe von 950 000 Euro, durch ein Darlehen des BLSV in Höhe von 500 000 Euro, die abziehbare Vorsteuer (500 000 Euro), ein Darlehen in Höhe von 1,6 Millionen Euro und Eigenmittel einschließlich Eigenleistungen (550 000 Euro).

 
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